GhostLyrics' Journal


Katanara: Luca Orphano

Last modified: 28.01.2012

Luca Orphano las gerade das zweite Kapitel der Geschichte aus Katanara, einer erdachten Story, die alle Grenzen des vorstellbaren überwinden konnte. Er hatte sich dieses Schriftstück von der Website des Autors heruntergeladen und ausgedruckt. Gebannt von der Spannung bemerkte er seinen Vater nicht, der sein Zimmer betreten hatte. Dieser warf einen Blick auf das Schriftstück und nach einigen Zeilen entriss er seinem Sohn die Blätter. Dieser erschrak sehr, aber da er seinen Vater gut genug kannte, um Ärger abwenden zu können, sagte er nichts. Sein Vater sprach jedoch: „Dies ist nicht das, was ein wahrhaft Glaubender lesen sollte. Ich werde diesen Schrieb an mich nehmen.“ Mit diesen Worten verlies er das Zimmer und schloss von außen ab. Zu seinem Bedauern war Luca solche Behandlung gewohnt. Seine Mutter würde ihm um 18 Uhr noch etwas Essbares bringen, dann wäre die Tür bis sechs Uhr wieder geschlossen. Bis zum Essen wollte Luca diesmal nicht warten. Er nutzte seine übliche Fluchtstrategie: Über der Balkon kletterte er auf den Baum, den der Gärtner bis auf die Äste vor seinem Zimmer abwärts kahl geschnitten hatte. Beim ersten Blick auf den Baum erkannte man nichts Auffälliges. Es musste schon mindestens der fünfte sein, um auszumachen, dass unter all den gestutzten Bäumen ausgerechnet einer näher an der Villa stand. Er nutzte das Seil, das er am Baum angebracht hatte, um nach unten zu rutschen und lief nun über das Gelände zu einer Stelle an der die Mauer ein Loch hatte, schlüpfte durch und befand sich auf endlich außerhalb des Grundstückes. Von dort aus lief er zu einem Freund, der nicht weit entfernt wohnte. Dort druckte er sich abermals die Geschichten aus und las sie gebannt. Dann begriff er, dass er so sein wollte, wie die Helden in den Epen, doch dass dies in seiner Welt nie möglich sein würde. Verzweifelt durchstreifte er die Stadt und fasste dann seinen letzten Beschluss. Er sprang von einer Brücke in die Tiefe. Er war tot. Und dennoch glaubte er, etwas zu fühlen. Er hörte eine Stimme: „Es gibt viele Wege in unsssere Welt. Diessser war der Falsche. Ruhe für immer, Luca Orphano.“

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