Obwohl ich schon oft Tote entdeckt hatte und die anschließenden Untersuchungen meist mir zugeteilt wurden, war ich doch überrascht von der Sauberkeit und der Ausführung dieses Attentates. Wenn nicht ein winziges Einstichloch, wie von einer Nadel hervorgerufen, am Hinterkopf zu sehen gewesen wäre, hätte äußerlich nichts auf einen gewaltsamen Tod hingewiesen. Es gab keine Kampfspuren, nein, Moment. Eigentlich gab es überhaupt keine Spuren, außer der kleinen Wunde am Kopf des Opfers. Ach ja. Ich habe das Opfer erwähnt. Der Mann hieß Enrico Cortez, war 42 Jahre alt und ledig. Er leitete eine Art Waffenentwicklungsfirma. Er ist vor vier Stunden von einer Reinigungskraft in seinem Büro gefunden worden. Der geschätzte Todeszeitpunkt liegt gegen 23 Uhr. Ich dachte mir, dass er mit Hilfe des Nadelstiches vergiftet worden sein könnte. Trotzdem trug ich meinen Mitarbeitern auf, ihn zu Doktor Rubin zu bringen. Er nahm seinerzeit sämtliche Obduktionen vor. Zu diesem Zeitpunkt war ich das dreizehnte Jahr in meinem Beruf als Stadtkriminalist beschäftigt und in all dieser Zeit wurden viele Attentate verübt. Nun, dies war allerdings nicht mein Problem, da laut Vertrag und Vorschrift war es nicht meine Aufgabe, Morde zu verhindern. Mein Job bestand lediglich darin, sie aufzuklären und das Ergebnis weiterzumelden. Dieser Fall beschäftigte mich aber besonders, denn nie zuvor hatte ich derart merkwürdige und derart wenige Indizien vorliegen. Die Profession mit der der Mord begangen worden war, ließ in mir keinerlei Zweifel aufkommen, dass der Mörder ein Ninja gewesen war. Solche bezahlten Attentate waren die Haupttodesursache in Hisaki.
Einige Zeit später als die Leiche kam ich zu Fuß bei Doktor Rubin an. Der Doktor war gerade dabei, sich die Fingernägel des Toten anzusehen, um Material für seinen Bericht zu finden. Die Bewegungen des Doktors waren langsam, aber äußerst präzise. Wirres, verschwitztes Haar hing ihm in sein zerfurchtes Gesicht, eine Strähne klebte auf seiner dicken Brille. Der Doktor war sicher schon 80 oder 90 Jahre alt, aber er übte seinen Beruf als Leichenbeschauer mit Freude aus, zudem gab es keinen Bewerber für seinen Posten, also gab es keine andere fachliche Kompetenz, die ihm das Wasser reichen hätte können. Auf meinen Vorschlag hin, versprach er sich die Wunde anzusehen und bis zum späten Nachmittag seinen Bericht vollständig zu haben. Dann verabschiedete ich mich förmlich und verlies das Leichenschauhaus. Auch wenn Besuche dort für die Ausübung meines Jobs erforderlich waren, gaben mir die kalten Hallen ein unangenehmes Gefühl. Ich eilte noch einmal zurück, um den Doktor für heute zum 18-Uhr Tee einzuladen, er sollte mir die Ergebnisse dorthin mitbringen. Da mein Zuhause nicht in bestem Zustand war, unterbreitete ich die Einladung für mein Lieblingsteehaus, das ca. 40 Minuten Fußmarsch von der Leichenhalle entfernt lag. Ich dachte mir, dass sich dies wohl mit dem Zeitplan des Doktors ausgehen würde. Dann entschloss ich mich in meinem Privatarchiv nach anderen mysteriösen Fällen zu suchen, um mir einen Teil der Zeit bis zum Abend zu vertreiben.